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LN 5

Neuer Markt

5. Potsdamer Literaturnacht - Pressestimmen

PNN  |  21.11.2006

Experimente in Wissenschaft der Liebe Heitere Lesung im Kutschstall

Von Mark Minnes

Der Kutschstall und die indische Philosophie des Kamasutra gingen am Sonnabend eine ungewöhnliche Ehe ein. Im ausverkauften Haus fand die fünfte Potsdamer Literaturnacht statt. Der „Literaturnacht e. V.“ hatte mit seiner Ankündigung, an diesem Ort die indische Philosophie der Liebe vorzustellen, großes Interesse geweckt. Die Literaturnacht zieht inzwischen ein festes Stammpublikum an und ist eleganter geworden.

Der Sanskrit-Text des Kamasutra, im dritten Jahrhundert nach Christus entstanden, ist eine Wissenschaft der Sinnlichkeit. Dabei geht es nicht nur um Sexualität, sondern um die Sinne im Ganzen. So erwartete die Besucher ein Abend jenseits der üblichen Autorenlesungen. Literatur wurde lebendig und erlebbar. Rötliche Beleuchtung und eine mit Rosenblättern bestreute Bühne ließen den Kutschstall in einem neuen Licht erscheinen. Die Lesung wurde mit Musik und Schauspiel ergänzt.

Vereinsmitglied Julian Drews führte durch den Abend. Er stellte das Kamasutra vor. Dabei war es von Vorteil, dass er es auf einen „heiter-erotischen Abend“ anlegte. Meditativer Ernst war nicht die Sache des jungen Publikums. Nicht als „unmoralisch“, sondern als „anders moralisch“ wollte Drews das Kamasutra verstanden wissen. Als Beleg dafür präsentierte er ein Kapitel aus dem ersten der insgesamt sieben Bücher: „Gründe, die Ehefrau eines anderen Mannes zu nehmen.“ Das Publikum reagierte teils mit Belustigung, teils nachdenklich.

Hintergründig auch die Lesung: Nachwuchsautor Christoph Beck und die Potsdamerin Christine Anlauff bezogen das Kamasutra auf die westliche Lebensweise. Anlauff las eine eigens für den Abend verfasste Kurzgeschichte. In dem Text ließ sie die fiktive Gründerin einer „Hochschule für Liebeskunst“ in einer Talkshow auftreten. Dabei entfaltete die Autorin ein souveränes Spiel mit dem Publikum: die Zuhörer im Kutschstall übernahmen die Rolle der Zuschauer in der vorgestellten Talkshow. Der Text über „Diplom Kurtisanen“ widersprach nicht nur unseren Wertvorstellungen. Er konnte auch als ironischer Kommentar des gegenwärtigen Exzellenz-Strebens an deutschen Hochschulen interpretiert werden. Anlauff fragte sich, wie Eignungstests und Stundenplan an einer „Hochschule für Liebeskunst“ aussehen könnten.

Der zweite Teil des Abends gehörte der Musik und dem Schauspiel. Das virtuose Spiel des Cellisten Sonny Thet wurde durch einen lauten Streit aus dem Publikum unterbrochen. Thet herrschte die vermeintlichen Störer an: „Habt Ihr was zu sagen?“ Dann inszenierten die Schauspieler Peter Wagner und Marie-Luise Lukas witzig und überraschend den Krieg der Geschlechter. Das eigentliche Thema des Abends geriet dabei jedoch etwas aus dem Blickfeld. Begrüßenswert ist aber, dass sich niemand in didaktischem oder künstlerischem Ernst versuchte. Dies zeugt von der Wandlungsfähigkeit der Literaturnacht. Das Publikum wurde nicht belehrt, sondern trug seinen Teil zum Erfolg des Abends bei. Ein gelungenes Experiment. 

 

PNN  |  17.11.2006

Kamasutra im Kutschstall
Studentische Veranstalter sehen die fünfte Potsdamer Literaturnacht als Neupositionierung

Von Mark Minnes

Coca Cola trifft auf Kamasutra. Und auf den Potsdamer Kutschstall am Neuen Markt. Das versprechen die Veranstalter vom Potsdamer „Literaturnacht e. V.“ für ihre fünfte Literaturnacht, die am kommenden Samstag (ab 19 Uhr) in dem besagten Kutschstall stattfinden wird.

Die Organisatoren haben für ihr Plakat absichtlich eine Aufmachung gewählt, die an die braune Brause und damit einen Inbegriff des Westens erinnert. Es werde eine „Kamasutra-Lesung“ geben, bei der sich Gewohntes und Fremdes begegnen, so der Student Julian Drews. Er ist dieses Jahr für den inhaltlichen Ablauf der Literaturnacht zuständig. „Die indische Philosophie des Kamasutra wird auf unsere alltäglichen Gewohnheiten und Vorstellungen treffen“, sagte er im Gespräch mit den PNN. Der uralte indische Text, der nach der Möglichkeit eines guten Lebens fragt, soll den Zuschauern auf kreative Weise näher gebracht werden. „Religion, Macht und Lust“ seien Schlüsselbegriffe der Philosophie des Kamasutra, erläuterte Drews.

Autoren, Schauspieler und Musiker werden gemeinsam den Abend gestalten. Die Besonderheit der diesjährigen Literaturnacht liege darin, dass zwei Autoren eigens Texte zum Thema verfasst haben, so die Veranstalter. Es sei in der Planung entscheidend gewesen, dass Künstler und Veranstalter den Abend gemeinsam entwickeln wollten, so Julian Drews. Deshalb habe der „Literaturnacht e. V.“ bewusst Künstler aus Potsdam eingeladen. So wird die etablierte Potsdamer Autorin Christine Anlauff („Good morning, Lehnitz“) gemeinsam mit dem Nachwuchsautor Christoph Beck lesen. Auch der Cellist Sonny Thet tritt regelmäßig in Potsdam auf. Die Schauspieler Peter Wagner und Marie-Luise Lukas sind am Hans Otto Theater bekannte Größen. Nur der DJ für die anschließend geplante Feier wird extra aus Madrid eingeflogen.

Der „Literaturnacht e. V.“ ist eine feste Größe im Potsdamer Kulturleben. Er wurde im Jahr 2002 als studentische Initiative am Institut für Romanistik der Universität gegründet. Mit seinem Ziel, junge Literatur zu fördern und bekannte Autoren in die Stadt zu holen, hatte der Verein schnell Erfolg. Schon zu der ersten Veranstaltung erschienen 200 Zuschauer, erinnerte sich Daniel Wehry, erster Vorsitzender des Vereins.

Seitdem hat der Verein bekannte Autoren wie den Österreicher Robert Menasse oder die spanische Bestsellerautorin Lucía Etxebarría nach Potsdam geholt. Doch auch die Potsdamer Nachwuchs-Szene ist über die Zeitschrift „Schreib“ mit dem Verein vernetzt.

Daniel Wehry betonte, dass der Verein zwar seine Wurzeln in der Universität habe, inzwischen aber auf eigenen Beinen stehe. Wehry selbst unterrichtet an einem Potsdamer Gymnasium. Dieser Wandel erkläre auch, warum die Literaturnacht im vergangenen Jahr vom Neuen Palais an den Neuen Markt zog. Im Sommer 2006 verhinderte die Fußball-WM eine Literaturnacht im Freien. Nun wird sie nachgeholt und ist gleichzeitig Ausdruck des Wandels im Verein. Das Bestreben, Kunst und Leben zusammenzuführen, ist aber eine Konstante geblieben. Stand die letzte Literaturnacht noch unter dem Motto „ÜberLeben schreiben“, so soll auch die „Kamasutra-Lesung“ die Frage nach einem gelungenen Leben aufwerfen.

Der gemeinnützige „Literaturnacht e. V.“ nimmt am Samstag keinen Eintritt. Ein Obolus von drei Euro wird aber für ein „Literaturnacht-Kissen“ fällig. Wozu die Besucher der „Kamasutra-Lesung“ dieses Kissen benötigen, wollten die Veranstalter nicht verraten. Mark Minnes

Die fünfte Potsdamer Literaturnacht. Samstag, 18. November, ab 19 Uhr, Kutschstall am Neuen Markt. Mehr Informationen unter: www.literaturfestival.net

 

MAZ  |  21.11.2006

Kamasutra mit Kuschelkissen

Allerlei über die Kunst der Erotik zur 5. Literaturnacht im Kutschstall

Von Hanne Landbeck

Die Kunst der Erotik liegt in der Andeutung. Das konnte man auch bei der 5. Literaturnacht am Samstagabend im Gewölbekeller des Kutschstalls erleben, wo es zum Thema Kamasutra kaum Anzügliches gab, bis auf die wenigen deutlichen Stellen, die aus dem höchst sinnlich aufbereiteten Kamasutra-Buch des Wagenbach-Verlags gelesen wurden. Brav saßen die meist jungen Zuhörer im prall gefüllten Raum auf ihren Sitzen und hielten das Kuschelkissen, das man ihnen am Einlass als Geschenk in die Hand gedrückt hatte, während der Lesung und Tanzperformance, ganz ganz warm.

Es hatte schon etwas Merkwürdiges an sich, die Halle so voller knisternder Erwartung zu erleben, und sinnfälliger als mit den Kissen konnte die Verwechslung nicht ausgedrückt werden. Kuscheln wird hierzulande häufig mit Erotik vertauscht, was auf bestimmte kulturelle Leerstellen verweist. Die junge Generation scheint in dieser Hinsicht noch verunsicherter als ihre Eltern, die "freie Liebe" praktizierten, häufige Partnerwechsel als Unabhängigkeit deuteten und mit Unverbindlichkeit bezahlten. Doch seit Aids ist alles anders. Und immerhin bemüht man sich, die Sinnlichkeit, wenn auch über Umwege, zurückzugewinnen.

Zartfarbige Rosen waren in den Nischen neben kleinen Rechaudkerzen aufgestellt, die Bühne war mit einem Rosenblattrand aufreizend dekoriert. Dort setzte sich zunächst Christoph Beck mit seinem verklemmten Helden "Ulrich" an das Lesepult, um den jungen Herrn bei einer Party dabei zu beobachten, wie er aus lauter Verzweiflung ob möglicher Peinlichkeit in Übersprungshandlungen flüchtete. "Ulrich hockte sich vor ein CD-Regal aus Holz und begann, die Titel zu studieren", war zum Beispiel ein Satz, über den das Publikum herzlich lachen konnte.

Christine Anlauff, die wenigstens dem Anlass entsprechend in ein glänzendes kleines Schwarzes mit viel Dekolleté gehüllt war, las eine Kurzgeschichte, deren unheldischer Held ebenfalls Ulrich hieß. Der ist Moderator beim Fernsehen und erlebt eine Talkshow mit der Leiterin einer "Hochschule für Liebeskunst", die sich Luise Lambert nennt und den Herrn gehörig aus der Fassung bringt. Am Ende stellt sich das Ganze als inszenierter Gag der Redaktion vor, die eine Schauspielerin engagiert hatte, da so was wie eine Hochschule der Liebeskunst in unseren Breiten nicht denkbar sei. Offensichtlich wirklich nicht, denn auch die Performance-Szenen von Marie-Luise Lukas und Peter Wagner erinnerten, wenn man sie wegen der Sichtbehinderung durch die Riesensäulen überhaupt sehen konnte, eher an eine Gymnastikübung. Aber Andeutung soll ja die beste Erotikschule überhaupt sein, und die Stimmung des Publikums blieb überaus erwartungsfroh bis in die frühen Morgenstunden. Wer sich nicht tanzend austobte, konnte durch die lukullischen Genüsse ein wenig Sinnlichkeitsersatz mittels scharfer Saucen, die zu den wahlweise vegetarischen Frühlingsrollen oder Geflügelspießen gereicht wurden, an seine Geschmacksnerven bringen. Oder sich weiter an seinem Kuschelkissen festhalten.

 

MAZ  |  14.11.2006

Lesung aus dem Buch Kamasutra

5. Literaturnacht im Kutschstall

Zur 5. Potsdamer Literaturnacht lädt der Verein Literaturnacht am kommenden Sonnabend, dem 18. November, in den Kutschstall am Neuen Markt ein. Im Mittelpunkt des Abends steht das altindische Buch Kamasutra. Diesem Buch der Weltliteratur nähert sich die Literaturnacht mit unterschiedlichen Kunstformen. Extra für die Veranstaltung haben die Autoren Christine Anlauff und Christoph Beck Texte als Antwort auf das Kamasutra verfasst. Mit den Potsdamer und Berliner Schauspielern Marie-Luise Lukas und Peter Wagner sowie dem Cellisten Sonny Thet hat der Literaturnacht e.V. ein szenisches und musikalisches Programm für den Abend erarbeitet. Den Ausklang der Nacht gestaltet DJ Ricardo Murillo aus Madrid mit einem Repertoire an Klängen vom indischen Subkontinent und aus der Weltmusik. In den Pausen gibt es Fingerfood und andere Kleinigkeiten, um auch diese Literaturnacht mit allen Sinnen zu genießen. Die von Studenten organisierte Literaturnacht hatte ihren Auftakt im Sommer vor fünf Jahren am Neuen Palais. Seit 2005 ist der Kutschstall der Veranstaltungsort. MAZ

Beginn ist um 18 Uhr, der Eintritt kostet 3 Euro. Mehr unter www.literaturnacht.de.

 

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MAZ  |  30.05.2006

"Man möchte das Schiff nicht missen"

Erste Empfehlungen aus dem Evaluierungsbericht zur weiteren Förderung freier Kultureinrichtungen

Volker Oelschläger

Der mit Spannung erwartete Bericht zur Förderwürdigkeit freier Kultureinrichtungen ist da. Heute soll das Papier der Presse vorgestellt werden, am Donnerstag befasst sich der Kulturausschuss damit. Die vom Fachbereich Kulturarbeit der Fachhochschule begleitete Untersuchung sorgte bereits für heftige Diskussionen. Beste Noten bekommen nach MAZ-Informationen der Offene Kunstverein und die Kunstschule, denen langfristig Förderwürdigkeit bescheinigt wird. T-Werk und Fabrik - beide bezogen eben neue Spielstätten in der Schifbauergasse - werden als "langfristig förderungswürdig" eingestuft. Das Poetenpack hingegen könnte erstmals eine zunächst auf zwei Jahre befristete feste Förderung bekommen. Schlechte Karten hat die Stadtspieltruppe, deren Förderwürdigkeit wegen ihres Amateurstatus' in Frage gestellt wird, zu der es aber mit Blick auf das Theaterschiff als Spielstätte heißt: "Man möchte das Schiff nicht missen und mag es, ohne im Detail nach den Gründen zu fragen." Generell wird die Frage gestellt, wieviel Theater die Stadt braucht und wieviel davon sie sich leisten kann. Im Zusammenhang mit dem Verein Musik an der Erlöserkirche und der Singakademie beklagen die Prüfer das Fehlen eines "städtischen Leitbildes zur Kulturförderung".

Eine zunächst projektweise Förderung wird für den Verein Literaturnacht empfohlen, der sich als einziger Vertreter dieses Kunstgenres am Prüfungsverfahren beteiligte. Größer war die Bewerberzahl im Bereich der bildenden Kunst. Positiv fällt die Bewertung des Brandenburgischen Kunstvereins aus, für den zunächst für die nächsten zwei Jahre weiter feste Förderung empfohlen wird. Für das Kunsthaus Potsdam hingegen wird ebenso wie für das Kulturwerk des Brandenburgischen Verbandes Bildender Künstler als Betreiber der Verbandsgalerie M und den Potsdamer Kunstverein nur projektweise Förderung empfohlen. Generell empfehlen die Gutachter, alternativ zu einer Kunsthalle ein Konzept für Ausstellungsmöglichkeiten zu entwickeln und dabei das Alte Rathaus und den neuen Kunstraum des Waschhauses einzubeziehen.

Das Waschhaus ist prominentester Vertreter im Abteil "genreübergreifender Einrichtungen". Und es kommt am besten davon mit der Empfehlung, seine Geschäftsbereiche "abzugrenzen" und für jeden separat "Zielvereinbarungen" mit der Stadt abzuschließen. Zur Charlottenstraße 31 mit dem Al Globe und dem Kabarett Obelisk heißt es, man solle klären: "Will die Stadt diesen Standort?" Mit dem Autonomen Frauenzentrum soll "Verständigung" erreicht werden, "was mit kultureller Arbeit gemeint ist". Für das Künstler- und Gründerzentrum in der Puschkinallee wird zunächst Projektförderung empfohlen.

 

MAZ  |  13.01.2006

Kulturförderung wird neu aufgeteilt

Der erste Zwischenbericht der Prüfer

Von Volker Oelschläger

Die Kulturförderung für so genannte freie Träger wird neu geordnet. Hermann Voesgen, der Vorsitzende des Beirates für kulturelle Projektförderung, stellte gestern Abend im Kulturausschuss einen ersten Zwischenbericht zur Bewertung der Förderwürdigkeit von Kultureinrichtungen vor. Wie berichtet, wurde für die von der Fachhochschule wissenschaftlich begleitete Evaluation ein dreistufiges Verfahren ersonnen, bei dem die beteiligten Einrichtungen zunächst Fragebögen ausfüllen sollten. Die Ergebnisse wurden in Gesprächen ausgewertet und dann in dem vorliegenden Zwischenbericht festgehalten. Nach weiteren Diskussionen, bei denen auch die Antragsteller noch einmal angehört werden sollen, ist für den 10. Februar eine letzte Expertenrunde geplant. Deren Abschlussbericht soll bei der Neuaufteilung der Betriebskostenzuschüsse (BKZ) für 2007 berücksichtigt werden.

Für die Erstbewertung der Einrichtungen wurden vier Kategorien gewählt. Von "ungeeignet" über "kritisch" wegen konzeptioneller Probleme und "experimentell" für Vereine, die testweise für eine Versuchsphase eine Chance bekommen sollen, bis zum Prädikat "förderungswürdig", das für Einrichtungen vergeben wird, die aus Sicht der Prüfer "bewährt und auch zukünftig wichtig" sind.

Diese Bestbenotung bekommen zuerst kulturpädagogisch tätige Einrichtungen und Initiativen wie der Offene Kunstverein oder die Kunstschule Potsdam, denen aber die engere Kooperation und Zusammenarbeit untereinander und mit anderen Vereinen empfohlen wird, die kulturpädagogisch tätig sind.

Kunst im Schatten des Hans-Otto-Theaters

Bei der Förderung bildender Kunst werden der Stadt immer wieder Reserven attestiert. Vom Kunsthaus im Ulanenweg, dem aus dem Brandenburgischen Verband Bildender Künstler (BVBK) heraus gegründeten Verein Kulturwerk und dem Brandenburgischen Kunstverein mit seiner Galerie im Luisenforum als Antragsteller wurde jedoch nur für den letzten eine zeitweilige Förderung empfohlen.

Provokativ werden die Erläuterungen zur Förderung der darstellenden Kunst eröffnet: Mit dem Hans-Otto-Theater, das allein 50 Prozent aller städtischen Kulturgelder bekomme, sei dieses Feld eigentlich hinreichend berücksichtigt. Trotzdem werden das T-Werk und die Tanzfabrik als förderungswürdig eingestuft, wird für das Poetenpack das Prädikat experimenteller Förderung empfohlen. Negativ hingegen fällt im Zwischenbericht das Testergebnis für die Stadtspieltruppe aus.

Das Theaterschiff als Spielstätte der Stadtspieltruppe hingegen wurde von Voesgen als wichtige Kleinkunstbühne genannt. Konzeptionelle Vorleistungen erwartet man in Kürze von dem Verein Charlottenstraße 31, einer Gemeinschaft von Kabarett und dem Kulturhaus Al Globe. Prinzipiell wird für diesen Verein aber bereits eine "zweijährige Probephase" empfohlen. Mit dem Studentischen Kulturzentrum Elfleinhöfe entwickelt sich gerade ein weiterer innerstädtischer Kulturveranstalter, der aber noch keine Förderung beantragte und deshalb auch nicht evaluiert wurde.

Arbeit nach Konzepten aus den 80er Jahren

Förderungswürdig sind laut Voesgen Kinder- und Jugendchöre der Potsdamer Kantorei und der Singakademie. Eine experimentelle Förderung wird für die studentischen Veranstalter der Literaturnacht empfohlen, die ihr Kulturangebot auf weitere Termine im Jahr ausweiten wollen.

Förderungswürdig sind aus Sicht der Evaluierungsgruppe das Frauenzentrum und das Waschhaus, die in ihren Funktionen als soziokulturelle Zentren untersucht wurden. Für beide Einrichtungen sehen die Prüfer allerdings erheblichen Diskussionebedarf, da sie inhaltlich nach Konzepten geführt würden, die aus den 80er Jahren stammten und mittlerweile nicht mehr zeitgemäß seien. Dies betreffe auch den Begriff Soziokultur für sich, der laut Voesgen einst in Opposition zur bürgerlich-etablierten Kultur geprägt wurde.

Als "sehr interessanten Ansatz" bezeichnete er das junge Künstler- und Gründerzentrum, das kürzlich von seinem ersten Domizil in der Seestraße in die Puschkinallee umzog. Auch hier empfiehlt die Evaluierungsgruppe eine zweijährige Probeförderung.

Nicht berücksichtigt wurden Anträge auf Betriebskostenförderung vom Urania-Bildungsverein "Wilhelm Foerster", von der Berlin-Brandenburgischen Auslandsgesellschaft (BBAG) und vom Privat-Museum in der russischen Kolonie Alexandrowka. Für dieses wird aber die Prüfung einer Förderung aus dem Tourismus-Bereich empfohlen.