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2003

2. Potsdamer Literaturnacht am Neuen Palais

Die Autoren

Bodo Morshäuser

«Interessant wäre eine Geschichte des Niegesagten», heisst es einmal bei Bodo Morshäuser. «Jeder Mensch trägt Wissen herum, das er nicht weitererzählt ... Nur könnte dieses Werk niemals nur ein Mensch schreiben. Man könnte ihn wohl ... nur denken: den Gesellschaftsroman in dem Sinne, dass die ganze Gesellschaft an ihm mitgeschrieben hat» Literatur als Utopie einer Sammlung aller unsichtbaren Geschichten, denen sich die Gesellschaft nicht (mehr) stellt. Diese Vision stammt nicht nur aus Morshäusers letztem Buch, sie beschreibt auch seinen Anspruch, sich durch das eigene Schreiben den Themen zu stellen, die aus dem Licht der Öffentlichkeit verschwunden sind, verdrängt wurden. Als Bodo Morshäuser 1988 begann, sich durch intensive Recherchen dem Thema Rechtsradikalismus zu nähern, waren Skinheads, Nazischläger und Ausländerhass nicht Vokabeln der öffentlichen Diskussion. Man hätte meinen können, es gebe sie gar nicht. In dieser Phase rückt auch die Beschäftigung mit Deutschland sowie mit Hate Crime -aus Hass begangene Verbrechen- ins Zentrum seiner literarischen Produktion. Zwischen 1992 und 1995 entstehen so Bücher wie Hauptsache Deutsch, Warten auf den Führer, Der weiße Wannsee und der Roman Tod in New York, mit denen sich Morshäuser als politischer Schriftsteller einen Namen macht. Ende der neunziger Jahre begibt er sich an ein Romankonzept, das er seit zehn Jahren schon in der Schublade liegen hat. Er wollte, aber konnte dieses Buch nicht vorher schreiben und beginnt es schliesslich Anfang 1999. “Man kann nur solche Bücher schreiben, die unbedingt nötig sind oder solche, die einem zu bestimmter Zeit möglich sind”, sagt Morshäuser und ergänzt, “manchmal muss man sie erwischen, einfangen.” So beginnt mit In seinen Armen das Kind die dritte Phase seiner schriftstellerischen Arbeit, die er beschreibt als “eine Zeit des Ich-wie-Wir-Erzählens in verschiedenen Welten”. Das Buch erzählt die Geschichte um den einstigen Kultschauspieler und “Nach 68-er” Maik Steiner, der sich auf die Suche nach seiner Ex-Frau Vera und dem gemeinsamen Sohn in eine fränkischen Landkommune begibt und beide dort wiederzufinden hofft. Doch hier gelten andere Gesetze: Gehirnwäsche, sexuelle Ausbeutung und Kinderarbeit. Vera ist mittlerweile versunken im System der Aussteigersekte, doch den Sohn kann der verzweifelte und drogensüchtige Vater nicht finden. Auf der Literaturnacht wird Bodo Morshäuser diesen Roman sowie Ausschnitte  aus seinem weiteren Werk vorstellen.

Bodo Morshäuser, geboren 1953 in Berlin (West), lebt und arbeitet dort. Seit 1975 freiberufliche Arbeit als Autor und Journalist sowie zeitweise als Regisseur und Moderator. Zwischen 1983 und 1988 erschienen die Erzählungen und Erzählungsbände Die Berliner Simulation, Blende, Nervöse Leser und Revolver. 1993 veröffentlichte er Der weiße Wannsee. Ein Rausch, eine Erzählung über den ersten Sommer nach der deutschen Einheit; 1995 den Roman Tod in New York City, der das Thema Rechtsextremismus unter dem Aspekt Hate Crime aufnimmt. Es folgen der poetische Berlin- Text Gezielte Blicke und 1998 die Prosasammlung Liebeserklärung an eine hässliche Stadt. Berliner Gefühle. 2002 erschien sein neuester Roman, In seinen Armen das Kind.

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